Der Soundtrack des Films stammt von der Berliner Band Einstürzende Neubauten. Im Film ist ihre Musik im Wechsel mit klassischen Musikstücken zu hören.

“Moderne und Historie prallen in BERLIN BABYLON aufeinander. Und das sollte sich auch in der Musik widerspiegeln. Das älteste Musikstück im Film ist von Beethoven, der jüngste Komponist ist Luigi Nono. Und Wagner kommt natürlich auch vor – wie anders kann man das Dritte Reich erzählen. Und das alles zusammen mit den Einstürzenden Neubauten – das ergibt eine unglaubliche Dynamik.”
Hubertus Siegert, Regisseur

Zunächst plante Siegert für seinen Film eine Kooperation mit der US-amerikanischen Band Nine Inch Nails – aber ein Kollege riet ihm zu den Einstürzenden Neubauten. Kurzerhand fuhr er zu einem ihrer Auftritte nach München. Und war sofort sehr angetan von der Vielfalt dieser Musik – “mal romantisch, mal ganz industrial, textlastig, speziell. Ideal für BERLIN BABYLON.” Siegert lud Blixa Bargeld in seine Produktionsfirma ein und die beiden schauten den Rohschnitt des Films auf einem 35-mm-Schneidetisch ohne Sounddesign, ohne Demo-Musik.

“Das ist mühselig, sich einen ganzen Film in dieser Weise anzuschauen – und trotzdem war Blixa sofort fasziniert und sagte zu. Er hätte da auch schon ein paar Ideen.”
Hubertus Siegert, Regisseur

Schon im Rohschnitt sprach die Schauspielerin Angela Winkler den Text “Der Engel der Geschichte” von Walter Benjamin, während die Kamera die Trostlosigkeit der Megabaustelle Berlin einfängt. Man verharrt in den Schluchten des zukünftigen Tiergartentunnels über dem ein Sturm aufzieht.

“Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.”
“Der Engel der Geschichte”, Walter Benjamin

Bereits für ihr Album “Silence Is Sexy” hatten die Einstürzenden Neubauten den Song “Die Befindlichkeit des Landes” veröffentlicht – der eine Variation des Walter Benjamin Textes enthält. So hatte Blixa Bargeld die Idee, diesen schönen Zufall zu nutzen und den Song als Basis des Soundtracks zu verwenden.

“Ich fand das großartig, denn genau das ist ja eine der Fragen, die man sich als Zuschauer von BERLIN BABYLON notgedrungen stellt: ‘Wie ist denn die Befindlichkeit dieser Stadt, während die Wiedervereinigung zuzusagen in Stein gemeißelt wird?’”

Hubertus Siegert, Regisseur

Dann ging alles sehr schnell: Das Layout der Musik zum Film entstand in einer langen Nacht, die die Band und Hubertus Siegert im Studio verbrachten. Blixa Bargeld und Alexander Hacke überarbeiteten danach den Entwurf und ergänzten ihn mit neuen Songs. Zusammen mit dem Komponisten Thomas Krinzinger erarbeitete Siegert eine Komposition bestehend aus dem Soundtrack der Einstürzender Neubauten und klassischer Musikstücke – alles wurde in den Film gemischt und Siegert war begeistert vom Ergebnis: “Es passte alles unheimlich gut, was nie zusammen gebracht wird.”



EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN 1980 gründete die Berliner Band sich praktisch zufällig: Blixa Bargeld wurde für einen Auftritt im Moon-Club engagiert und fragte unter seinen Freunden, wer ihn unterstützen könnte. Der Auftritt funktionierte so gut, dass man einfach eine Band gründete. Wahrscheinlich ist die Art der Gründung schon typisch gewesen für die Neubauten, bei denen öfters der Zufall maßgebend war: Aus Geldmangel musste das Schlagzeug verkauft werden – und man begann Schrott, Fundstücke industrieller Produktion und Alltagsgegenstände als Instrumente zu verwenden und daraus einen apokalyptischen Musikstil zu entwickeln. Stilistisch lassen sich die Einstürzenden Neubauten schwer einordnen – zunächst beeinflusst vom Punk- und Post-Industrial-Stil wurde ihre Musik später zunehmend melodiöser und weniger improvisiert. Einzelne Mitglieder der Band traten zuvor schon als Filmkomponisten in Erscheinung, die Filmmusik zu Berlin Babylon ist der erste komplette Soundtrack zu einem Kinofilm, der von der ganzen Gruppe beigesteuert wurde.